Es ist ein langer Artikel, der auf Der Westen und auch in der Druckversion des IKZ (Iserlohner Kreisanzeiger, ein „Produkt“ der WAZ-Gruppe) erschienen ist. Lang genug, als dass man eine kritische Würdigung der verschiedenen getroffenen Aussagen der Stadtverwaltung Hemer hätte darin unterbringen können. Wenn, ja wenn man es denn gewollt hätte.
Ich weiß zwar nicht präzise warum, aber definitiv hat die Stadtverwaltung Hemer in Redaktionskreisen den Status der „Guten“. Dieser Spezies also, der man ungesehen alles glaubt und deren Widersprüchlichkeiten man nicht nur ungern, sondern gar nicht aufdeckt. Selbst auffälligste Ungereimtheiten werden diesen Leuten schlichtweg nicht vorgehalten. Worum geht es diesmal?
Der Hemeraner Umweltsamtsleiter Edgar Schumacher wird salbadernd zitiert:
„Die moderne Abfallwirtschaft fängt bei den Bürgern an”, weiß Umweltamtsleiter Edgar Schumacher: „Containerstandplätze sind Schandplätze im Stadtbild!”.
Aha, da wird eine zusätzliche Nutzenargumentation für die Hemeraner Bürgerschaft eingeführt? 10.000 blaue Tonnen sehen im Stadtbild besser aus als 200 Container? Eine ungewöhnliche Sichtweise, die aber nicht nur deswegen Blödsinn ist, sondern vor allem aufgrund der Tatsache, dass ja tatsächlich gar keine Contanerstandplätze aufgelöst werden. Lediglich die Papiercontainer werden abgezogen. Die Depotcontainer für Glas sind von dieser Maßnahme völlig unberührt.
Hmm. Soll die Aussage von Schumacher dann vielleicht heißen, dass lediglich Papiercontainer hässlich, Glascontainer aber hübsch sind? Oder hat er, was wahrscheinlicher ist, schlicht nicht nachgedacht? Was übrigens auch für den Vertreter der schreibenden Zunft, Paul Kramme vom IKZ, gelten müsste. Schließlich hätte zumindest der ja in dieser Richtung nachfragen können. Tat er aber nicht. Den Guten glaubt man alles.
Der nächste Punkt:
Die Sammlung von Altpapier in Blauen Tonnen ist kostengünstig und wird sich auf die Gebührenstabilität auswirken. Die Sache rechnet sich auch. Bisher wurden in Hemer 62 Kilogramm Altpapier pro Einwohner und Jahr gesammelt. In Gemeinden, wo schon mit Tonnen gesammelt wird, sind es durchschnittlich 75 bis 80 kg, und die Stadt Hemer wird an künftigen Verwertungserlösen beteiligt.
Was denn nun? Bislang war immer von kostengünstigerer Entsorgung vermittels blauer Tonnen die Rede. Angeblich hatte Hemer ein schier unglaubliches Verhandlungsergebnis dem Entsorger Lobbe abringen können. Eine günstigere Kostenstruktur sollte gegeben sein, obwohl künftig anstelle von 200 Containern 10.000 blaue Tonnen angefahren werden müssen. Ich äußerte mich bereits dazu.
Nun also ist lediglich noch von Gebührenstabilität die Rede. Was, das will ich noch einmal deutlich sagen, schon ungewöhnlich genug ist und nur damit begründet werden könnte, dass sich Hemer bislang vom Entsorger Lobbe hat über den grünen Tisch ziehen lassen. Jeder Betriebswirt benötigt lediglich 30 Sekunden, um das nach zu vollziehen.
Auch ist mittlerweile nur noch die Rede davon, dass Hemer an „künftigen“ Verwertungserlösen beteiligt werden soll. Ein indirektes Eingeständnis wohnt dieser Formulierung inne. Nämlich, dass Hemer offenbar bislang eben gerade keine Verwertungserlöse erhalten hat, was stetig bestritten wurde, ohne dem allerdings sachliche Belege beizufügen. Auch darüber schrieb ich bereits.
Warum fragt Paul Kramme nicht investigativ nach? Warum schreibt Kramme plakativ „Die Sache rechnet sich auch.“, ohne dass ihm dafür irgendwelche Belege vorliegen? Ist Kramme am Ende nur der Pressesprecher der Stadt Hemer? Ein bisschen wenig wäre das, gemessen am hehren Anspruch der deutschen Journalisten.
Ein weiterer bemerkenswerter Punkt:
Und die traditionelle caritative Pater-Beda-Sammlung wird von der Stadt Hemer ausdrücklich empfohlen: „Unterstützen Sie weiterhin caritative Sammlungen des Arbeitskreises!” Der Umweltamtsleiter ist selber dabei: Zeitschriften, Illustrierte und Kataloge werden bei den Schumachers privat für Pater Bedas Aktionskreis aufbewahrt.
Soso. Caritative Sammlungen werden ausdrücklich empfohlen und Schumacher gibt sein höherwertiges Papier sogar komplett an Pater Beda. Was ist denn das für eine merkwürdige Einstellung zum Hemeraner Gemeinwohl? Ich verstand Schumacher bislang so, dass jeder Hemeraner, der die blaue Tonne nutzt, hilft, die Gebühr stabil zu halten. Da wäre doch das Ausscheren aus dieser Entsorgungsschiene und sei es auch mit Blick auf caritative Sammlungen, geradezu ein asoziales Verhalten.
Oder ist es etwa doch so, dass jedes Kilo Altpapier, das nicht in der blauen Tonne landet, günstig für die Abfallgebühren der Hemeraner Bürger ist? So etwa, wie es in anderen Teilen Deutschlands, ohne kommunale Eigenentsorgung, auch ist?
Ja, das wäre logisch. Aber, das darf Schumacher natürlich nicht sagen. Und Kramme darf oder will es nicht fragen, denn Hemer, das sind ja die Guten!
Endlich blaue Tonnen.
„Die moderne Abfallwirtschaft fängt bei den Bürgern an”, weiß Umweltamtsleiter Edgar Schumacher: „Containerstandplätze sind Schandplätze im Stadtbild!”.
Deswegen müssen jetzt noch die Glastonnen her! Dann können die Containerplätze endlich ganz geräumt werden.